Informationen rund um Haiti

Geografie
Der Karibikstaat Haiti (franz.: Haïti; haitianisches Kreol: Ayiti) liegt im westlichen Teil der Insel Hispaniola in den Grossen Antillen. Im Osten der Insel grenzt das Land auf einer Länge von 360 Kilometern an die Dominikanische Republik.

Haiti umfasst eine Fläche von rund 27‘750 Quadratkilometern (Liechtenstein: 160 Quadratkilometer, Schweiz: 41‘000 Quadratkilometer). Hauptstadt des Landes ist Port-au-Prince mit rund 2.8 Millionen Einwohnern.

Haiti war einst bekannt als die üppig bewachsene «Perle der Antillen». Aufgrund von Abholzung und Erosion ist das Land heute aber weitgehend kahl.

Geologie
Geologisch liegt Haiti an der Bruchzone zwischen zwei tektonischen Platten, der Karibischen und der Nordamerikanischen Platte. Verschiebungen der beiden Platten führten zu Spannungen, die sich jetzt in dem verheerenden Erdbeben entluden.

Klima
In Haiti herrscht überwiegend tropisches Klima. In der von Juni bis September dauernden Hurrikan-Saison kommt es häufig zu schweren Überschwemmungen.

Einwohner
Haiti hat rund neun Millionen Einwohner. Schätzungen zufolge teilt sich die Bevölkerung in 95 Prozent Schwarze, 4.9 Prozent Mulatten und 0.1 Prozent Weisse. Rund die Hälfte der Haitianer ist römisch-katholisch, etwa ein Drittel gehört verschiedenen protestantischen Konfessionen an. Die Voodoo-Religion ist weit verbreitet und Staatsreligion.

Sprache
Amtssprachen des Landes sind Französisch und die Kreolsprache Haitianisch. Die Sprachen der früheren Ureinwohner Haitis sind hingegen ausgestorben.

Politisches System
Nach der aus dem Jahr 1987 stammenden Verfassung ist Haiti eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt des Landes ist der auf fünf Jahre direkt vom Volk gewählte Staatspräsident. Er ernennt den Ministerpräsidenten des Landes, der vom Parlament bestätigt werden muss.

Das Zweikammer-Parlament des Landes besteht aus dem für sechs Jahre gewählten Senat und dem auf vier Jahre gewählten Abgeordnetenhaus.

Soziale Lage
Während der französischen Kolonialzeit galt Haiti als reiches Land. Entschädigungszahlungen, die das Land für die 1804 erlangte Unabhängigkeit an Frankreich zahlen musste, Misswirtschaft und Naturkatastrophen haben aus Haiti das ärmste Land der westlichen Hemisphäre gemacht.

Rund zwei Drittel der Bevölkerung leben unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Etwa 80 Prozent der Haitianer müssen mit weniger als zwei US-Dollar am Tag auskommen, die Hälfte der Bevölkerung hat sogar weniger als einen US-Dollar am Tag zur Verfügung.

Gesundheit
In Haiti fehlen medizinische Einrichtungen und geschultes Fachpersonal. Viele Haitianer lassen sich daher von Naturheilern und Vodoo-Priestern behandeln.

Mangelernährung, Typhus, Malaria, Tuberkulose und Aids gefährden das Leben vieler Haitianer. Experten der Weltgesundheitsorganisation gehen davon aus, dass rund 2 Millionen Haitianer chronisch unterernährt sind.

Vor einiger Zeit hatte Haiti noch die höchste Aids-Rate ausserhalb Afrikas. Dank einer konsequenten Aufklärungsarbeit und des vermehrten Gebrauchs von Kondomen ist die Aids-Rate in den letzten Jahren gesunken. 2009 waren 2.2 Prozent der Bevölkerung von der Immunschwächekrankheit betroffen.

Die durchschnittliche Lebenserwartung der haitianischen Bevölkerung liegt bei nur etwa 60 Jahren.

Bildung
In Haiti mangelt es an Schulen, Lehrmaterial und qualifiziertem Lehrpersonal. Offiziell gilt eine sechsjährige Grundschulpflicht, viele Familien können aber das Schulgeld nicht aufbringen. Rund die Hälfte der Bevölkerung sind Analphabeten.

Wirtschaft
Rund zwei Drittel der haitianischen Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft. Angebaut werden vor allem Kaffee, Rohrzucker, Mangos, Kakao, Hirse und Holz. Wichtigste Exportgüter des bitterarmen Landes sind Kaffee und Mangos. Haiti hat kaum nennenswerte Industrie, lediglich einige Textilunternehmen produzieren für den Export.

Wichtigste Handelspartner Haitis sind die USA, in die rund zwei Drittel aller Exporte gehen, gefolgt vom Nachbarland Dominikanische Republik.

Schätzungen zufolge, habe zwei Drittel der haitianischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter keine feste Arbeit, sondern schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch.

Folgen des Jahrhundert-Bebens
Am 12. Januar 2010 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7 die Insel. Das Epizentrum lag in der Nähe der Hauptstadt Port-au-Prince. Beim schwersten Erdbeben seit mehr als 200 Jahren sind nach jüngsten Schätzungen der Regierung bis zu 200‘000 Menschen umgekommen.

Grosse Teile der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince und vielen kleinere Städten m Land wurden bei dem Erdbeben zerstört. Die ohnehin marode Strom- und Wasserversorgung ist völlig zusammengebrochen.

Geschichte
1492
Nach der Entdeckung der Insel Hispañiola durch Christoph Kolumbus im Jahr 1492 wird diese zum spanischen Aussenposten auf dem amerikanischen Kontinent.

1667
Spanien tritt das westliche Drittel der Insel, das heutige Haiti, unter dem Namen Saint-Domingue an Frankreich ab.

1791
Im Zuge der Französischen Revolution kommt es zu einem Sklavenaufstand. Dieser mündet in einen Bürgerkrieg, der mit dem Sieg der farbigen Sklaven endet.

1804
Haiti erlangt seine Unabhängigkeit von Frankreich, muss aber hohe Entschädigungszahlungen an die frühere Kolonialmacht zahlen.

1915
US-Truppen besetzen das Land und ziehen erst 1934 wieder ab.

1957
Der ehemalige Landarzt Francois «Papa Doc» Duvalier reisst die Macht gewaltsam an sich.

1961
Duvalier setzt sich zum Diktator ein und regiert das Land mit äusserster Brutalität.

1971
Francois Duvaliers Sohn, Jean-Claude, genannt «Baby Doc», tritt die Nachfolge seine Vaters an.

1986
Die haitianische Bevölkerung vertreibt den Diktator Jean-Claude Duvalier.

1987
Nach der Verfassungsreform putscht das haitianische Militär und regiert das Land bis zu den Wahlen 1990.

1990
Bei den Präsidentschaftswahlen erringt der katholische Armenpriester Jean-Bertrand Aristide einen überwältigenden Wahlsieg.

1991
Brigadegeneral Raoul Cédras putscht die Regierung Aristide aus dem Amt.

1994
Die USA intervenieren militärisch in Haiti und setzen Jean-Bertrand Aristide wieder in sein Amt ein.

1996
Jean-Bertrand Aristide übergibt das Amt des Präsidenten an seinen Weggefährten René Preval.

2000
Bei den Wahlen kommt  es nach Ansicht internationaler Wahlbeobachter zu massiven Wahlfälschungen zugunsten Aristides. Die Opposition boykottiert daraufhin den Urnengang, aus dem Aristide als Sieger hervorgeht.

2001
Nach dem Amtsantritt Jean-Bertrand Aristides wird seiner Regierung Korruption und Misswirtschaft vorgeworfen. Die Auseinandersetzungen nehmen bürgerkriegsähnliche Zustände an.

2004
Chile, Frankreich, Kanada und die USA entsenden mit Billigung des Weltsicherheitsrats Truppen nach Haiti. Präsident Aristide verlässt das Land. Nach dem Abzug der Interventionstruppen werden rund 10‘000 Blauhelm-Soldaten der Vereinten Nationen in Haiti stationiert.

2006
René Préval gewinnt die Präsidentschaftswahlen.

2008
Die hohe Inflationsrate und die weltweit stark gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel führen zu Protesten in der Bevölkerung.

2010
Am 12. Januar erschüttert ein schweres Erdbeben der Stärke 7,0 den südlichen Teil Haitis.